Studie: Fahrerbeanspruchung

Fahrerbeanspruchung bei unterschiedlichen Nebenaufgaben & Automatisierungsleveln

Mit steigendem Automatisierungslevel verlagert sich das Aufgabenfeld des Fahrers von der Ausführung der Fahraufgabe hin zu einer Rolle des Überwachers oder sogar zum passiven Insassen. Dies geht mit einer Reduktion der mentalen Beanspruchung des Fahrers einher (de Winter, Happee, Martnes & Stanton, 2014). Auf der anderen Seite ist mit einer Erhöhung der Beanspruchung zu rechnen, sobald der Fahrer die dadurch freigewordenen Ressourcen dafür nutzt, um sich Nebenaufgaben zuzuwenden. Gerade in der teil- (SAE L2) und hochautomatisierten Fahrt (SAE L3) muss jedoch gewährleistet werden, dass der Fahrer jederzeit in der Lage ist, die Fahraufgabe sofort bzw. kurzfristig vom System zu übernehmen. Er darf demnach weder über- noch unterbeansprucht sein. Daher ist es von besonderer Wichtigkeit zu erfassen, wie die Beanspruchung des Fahrers durch die automatisierte Fahrt im Allgemeinen als auch durch Nebenaufgaben während der automatisierten Fahrt beeinflusst wird.

Dieser Fragestellung widmete sich die vorliegende Studie mit 32 Berufskraftfahrern. Die Fahrer absolvierten hierzu eine teil- (SAE L2) und eine hochautomatisierte Fahrt (SAE L3) in einem statischen Fahrsimulator der MAN Truck & Bus AG. In verschiedenen Abschnitten beider Fahrten führten die Probanden entweder keine Nebenaufgabe aus oder bearbeiteten eine von zwei unterschiedlichen Formen eines Quiz. Bei der ersten Form handelte es sich um eine auditive Nebenaufgabe (vergleichbar mit einem Telefonanruf), bei der zweiten um eine visuell-motorische Nebenaufgabe (vergleichbar mit der Erledigung von Office-Arbeiten auf Notebook oder Tablet). Währenddessen erfolgte stetig die Messung der mentalen Beanspruchung sowohl objektiv mittels psychophysiologischer Paramater (EKG, HRV, EDA) und Reaktionszeiten (PDT) als auch subjektiv mittels Fragebogen (Driving Activity Load Index – DALI).

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie weisen darauf hin, dass die Bearbeitung einer Nebenaufgabe während der automatisierten Fahrt – zumindest subjektiv – eine
erhöhte Beanspruchung mit sich bringt im Vergleich zur Situation ohne Nebenaufgabe. Auditive und visuell-motorische Aufgaben wirken sich dabei jedoch unterschiedlich auf empfundenen Stress und Reaktionsfähigkeit aus.

Bild: Versuchsaufbau (visuell-motorische Nebenaufgabe, PDT)
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