Studie: Nebenaufgaben

Der Effekt von aktivierenden Nebenaufgaben auf den müden Fahrer (SAE L3)

In der hochautomatisierten Fahrt (SAE L3) muss der Fahrer nicht mehr selbst fahren und ist zudem nicht einmal mehr in der Pflicht, die Überwachung des Systems dauerhaft zu übernehmen. Dies geht oftmals mit einer mangelnden Stimulation des Fahrers einher, was wiederum die Chance erhöht, dass der Fahrer ermüdet und nicht mehr übernahmebereit ist. Gerade in der hochautomatisierten Fahrt (SAE L3) ist dies jedoch problematisch, da der Fahrer in bestimmten Situationen schnell wieder in der Lage sein muss das Fahrzeug zu steuern. Studienergebnisse zeigen, dass die Ausführung von Nebenaufgaben einer Ermüdung in der automatisierten Fahrt entgegenwirken kann (z. B. Verwey & Zaidel, 1999). Bisher wurde dies aber hauptsächlich als präventive Maßnahme untersucht und nicht festgestellt, ob die Ausführung von Nebenaufgaben einen bereits ermüdeten Fahrer wieder aktivieren und somit fahrtüchtig machen kann.

Daher untersuchte die vorliegende Studie diese Fragestellung am statischen Fahrsimulator der MAN Truck & Bus AG an einer Stichprobe von 29 hauptberuflichen Lkw-Fahrern. Die Probanden absolvierten drei Fahrten mit einem hochautomatisierten System (SAE L3). In den ersten 30 Minuten jeder Fahrt – der sogenannten Ermüdungsfahrt – führten die Probanden keine Nebenaufgabe aus. Darauffolgend beschäftigten sich die Fahrer für 7 Minuten entweder mit einem Chat, einem Bewegungsspiel oder mit keiner Nebenaufgabe. Im Anschluss an eine 5-minütige Messphase wurde dann durch das hochautomatisierte System (SAE L3) eine Übernahmeaufforderung (TOR) ausgegeben und die Probanden mussten von der Autobahn abfahren, um eine anspruchsvolle manuelle Fahrt (inkl. enger Kurven, Windböen) auszuführen. Während der gesamten Ermüdungsfahrt sowie in der Messphase wurde die Müdigkeit mittels Selbsteinschätzung (Karolinska Sleepiness Scale – KSS) und objektiver Bewertung (Oberserver Rating of Drowsiness – ORD) erfasst. Zudem erfolgte die Messung von Reaktionszeiten während des TOR und von Fahrdaten während der manuellen Fahrt.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die gewählten Nebenaufgaben eine aktivierende
Wirkung auf die Fahrer haben. Diese zeigt sich allerdings nur in der Müdigkeitseinschätzung (subjektiv/objektiv), aber nicht in den Fahrdaten der manuellen Fahrt.

Bild: Versuchsaufbau: a) Chat – b) Bewegungsspiel
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