HMI-Evaluation und Nutzererleben bei der Interaktion mit dem AAA im Realfahrzeug

Realfahrzeugstudie HdM2019b

Das HMI-Konzept wurde in einem Wizard-of-Oz-Versuchsfahrzeug mit Lkw-Fahrern auf der Teststrecke getestet und evaluiert. Ziel der Studie war es, unter möglichst realitätsnahen Bedingungen, herauszufinden, wie Lkw-Fahrer das entwickelte HMI-Konzept bewerten und erleben. Das Konzept beobachtet den Fahrerzustand und gibt entsprechende Empfehlungen oder Warnungen aus, wenn die Aufmerksamkeit des Fahrers nachlässt oder Müdigkeit erkannt wird. Das HMI-Konzept umfasst zudem die Aktivierung und Visualisierung zweier Automatisierungsstufen (SAE L2 sowie SAE L3). Die Verfügbarkeit der jeweiligen Stufe wird über das HMI sowohl akustisch als auch visuell angekündigt. Das entwickelte Konzept wurde bereits in einer früheren Entwicklungsstufe im Fahrsimulator mit Lkw-Fahrern getestet und evaluiert.

19 Probanden nahmen an der Studie auf der Teststrecke in Pferdsfeld teil, die Stichprobe bestand aus einer Frau und 18 Männern. Im Anschluss an eine Vorbefragung erfolgte eine kurze Eingewöhnungsfahrt, die den Probanden dazu diente, sich mit dem Versuchsfahrzeug sowie der Aktivierung und Deaktivierung der Automation vertraut zu machen. Anschließend erfolgten zwei Versuchsfahrten, während der die Probanden das System in unterschiedlichen Situationen kennenlernten
(Wechsel zwischen Automationsstufen, Aufmerksamkeitswarnung während SAE L2, Vorschlag eine Nebentätigkeit durchzuführen in SAE L3). Während der Versuchsfahrten wurden subjektive Einschätzungen von den Probanden zur Transition und Mode Awareness erfasst. Zwischen den Versuchsfahrten und im Rahmen einer Abschlussbefragung wurden Akzeptanz und User
Experience gemessen sowie Angaben zu Usability und Systemvertrauen über Fragebögen erhoben. Zusätzlich wurde das Blickverhalten der Probanden mithilfe des Smart Eye Systems während der Fahrten erfasst.

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigen, dass die Lkw-Fahrer das Gesamtsystem insgesamt positiv bewerten. Nach der Interaktion mit dem System wird die wahrgenommene Nutzerfreundlichkeit von automatisierten Fahrfunktionen signifikant höher eingeschätzt als vor den Fahrten. Die Empfehlungen und Warnungen des Systems werden als positiv und hilfreich angesehen und auch für das eigene Fahrzeug gewünscht. Im Benchmark-Vergleich fällt die User Experience sehr gut aus und auch im UX-Facettenmodell nach Engeln & Engeln (2015) zeigen sich keine Barrieren der User Experience.

Die Mehrheit der Probanden findet Automation positiv: am häufigsten werden die Entlastung des Fahrers sowie eine Erhöhung der Verkehrssicherheit / Reduktion von Unfällen genannt. Auch die Einstellung zur Fahrerbeobachtung fällt mehrheitlich positiv aus: die Aspekte Erhöhung der Verkehrssicherheit sowie die Erkennung von Unaufmerksamkeit / Müdigkeit / Sekundenschlaf und medizinischen Notfällen werden als besonders sinnvoll empfunden. Alle Probanden schätzten ihr allgemeines Verständnis des Systems als gut bis sehr gut ein.

Link zum Poster

Versuchsfahrten der Probanden im Wizard-of-Oz-Fahrzeug
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