HMI Evaluation und Nutzererleben bei der Interaktion mit dem AAA aus Sicht von Pkw-Fahrern

Fahrsimulatorstudie HdM2020a

Müdigkeit durch stundenlanges monotones geradeaus Fahren auf der Autobahn stellt nicht nur für Lkw-Fahrer ein sicherheitskritisches Problem dar, sondern kann auch für Pkw-Fahrer gefährlich werden. Um diesem Problem vorzubeugen, wurde das mit Fokus auf den Lkw-Fahrer entwickelte HMI-Konzept ebenfalls auf den Pkw-Kontext übertragen und in einer Simulatorstudie mit Pkw-Fahrern getestet und evaluiert. Ziel der Studie war es herauszufinden, wie Pkw-Fahrer das entwickelte HMI-Konzept bewerten und erleben. Das Konzept beobachtet den Fahrerzustand und gibt entsprechende Empfehlungen oder Warnungen aus, wenn die Aufmerksamkeit des Fahrers nachlässt oder Müdigkeit erkannt wird. Das HMI-Konzept umfasst zudem die Aktivierung und Visualisierung zweier Automatisierungsstufen (SAE L2 sowie SAE L3). Die Verfügbarkeit der jeweiligen Stufe wird über das HMI sowohl akustisch als auch visuell angekündigt.

30 Probanden nahmen an der Studie im dynamischen Fahrsimulator der Robert Bosch GmbH am Standort Renningen teil, darunter 15 Frauen und 15 Männer. Im Anschluss an eine Vorbefragung erfolgte eine kurze Eingewöhnungsfahrt, die den Probanden dazu diente, sich mit dem Fahrsimulator vertraut zu machen und die Aktivierung und Deaktivierung der Automation kennenzulernen. Anschließend erfolgten zwei Versuchsfahrten während derer der Proband das System in unterschiedlichen Situationen kennenlernte (Wechsel zwischen den Automationsstufen, SAE L2 Aufmerksamkeitswarnung, Vorschlag eine Nebentätigkeit durchzuführen in SAE L3, Vorschlag zur Routenänderung (bedingt durch Stau), Warnung bei Müdigkeit). In den Versuchsfahrten wurden Angaben zu den Variablen Transition und Mode Awareness erfasst. Des Weiteren wurden zwischen den Versuchsfahrten und im Rahmen einer Abschlussbefragung die Akzeptanz und User Experience über Fragebögen erhoben sowie Angaben zu Usability und Systemvertrauen über Fragebögen erfragt. Des Weiteren wurde das Blickverhalten der Probanden mittels Smart Eye System erfasst und per Video aufgezeichnet.

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigen, dass die Bewertung des Aufmerksamkeits- und Aktivitätenassistenten aus Sicht der Pkw-Fahrer insgesamt sehr positiv ausfiel. Das in erster Linie für Lkw-Fahrer entwickelte System bietet ebenso Potential für den Pkw-Bereich. Auch mit Blick auf verkehrssicherheitsrelevante Aspekte fallen die Ergebnisse überwiegend positiv aus. So fällt der verkehrssicherheitskritische Wert VGP (Vehicle Guidance Parameter) aus dem Take-Over Performance Score (Radlmayr, Ratter, Feldhütter, Körber, Prasch, Schmidtler, Yang, Bengler, 2018) welcher sowohl die Spurhaltung als auch die laterale und longitudinale Beschleunigung einbezieht, über alle Fahrten hinweg gut aus.

In Bezug auf die durchschnittlichen Fehlerstufen des Invent – Traffic Safety Assessment (I-TSA) Verfahren (Glaser, Waschulewski, & Schmid, 2005) zeigt sich vor allem in Bezug auf die Querbeschleunigung eine niedrige Fehlerstufe was gemäß I-TSA einem sicheren Fahrverhalten entspricht und auch für die Standard Deviation of Lane Position fällt die durchschnittliche Fehlerstufe gering aus.

Link zum Poster

Versuchsumgebung im dynamischen Fahrsimulator
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