Evaluation des TANGO Gesamtsystems aus Sicht von Stakeholdern

Expertenevaluierung HdM2020b

Für die erfolgreiche Einführung einer automatisierten Fahrfunktion im Lkw spielen auch die Anforderungen der Stakeholder eine maßgebliche Rolle. Deshalb wurden zu Beginn des Projektes (2017) die Anforderungen an einen Aufmerksamkeits- und Aktivitätenassistenten (AAA) aus Sicht von Stakeholdern diskutiert und zum Ende des Projektes (2020) der entwickelte Prototyp eines AAA reflektiert.

Die Stakeholder der ersten Diskussionsrunde stammten aus den Bereichen MAN Vertrieb, Speditionswesen, Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur (BMVI), TÜV SÜD Rail GmbH und MAN ProfiDrive. Die Stakeholder sahen zu den Themen automatisiertes Fahren, fahrfremde Tätigkeiten, Aufmerksamkeits- und Aktivitätenassistent (AAA) und nutzergerechte Technologien mehr befürwortende Faktoren und Vorteile als Limitationen. Die Stakeholder-Anforderungen bestanden u.a. in der Notwendigkeit von fahrfremden Tätigkeiten, um dem Fahrer eine sinnvolle Beschäftigung zu geben und ihn wach zu halten. Dabei spielen persönliche Aufgaben eine entscheidende Rolle, jedoch weniger Speditionsaufgaben aufgrund sensibler Daten. Die Fahrerbeobachtung wurde im Hinblick auf die Akzeptanz durch die Lkw-Fahrer kritisch diskutiert, da sie sich überwacht fühlen könnten. Deshalb sollte der Mehrwert für den Lkw-Fahrer klar herausgearbeitet werden. Hinsichtlich eines Gesamtsystems wurde die transparente und fehlerfreie Funktionsweise für eine zufriedenstellende
Nutzung betont.

Die Teilnehmer der zweiten Stakeholderdiskussion stammten aus der MAN-Serienfertigung, dem MAN-Vertrieb sowie dem TÜV Süd Rail GmbH. Diskutiert wurde der entwickelte Prototyp in Bezug auf die Erfüllung der zu Beginn des Projektes definierten Anforderungen. Dazu probierten die Stakeholder den AAA im Versuchsfahrzeug in einer Stand-Demo aus. Die Stakeholder sehen einen Mehrwert des Systems im Beitrag zur Verkehrssicherheit, der durch Automation, Fahrerbeobachtung
und das kontrollierte Ausführen von Nebentätigkeiten auf den Tablets (statt auf dem Handy) entsteht. Als Vorteil wird auch gesehen, dass je nach Automatisierungslevel verschiedene Tablets unterschiedliche Nebentätigkeiten ermöglichen, da dies zur Mode Awareness beiträgt und nicht erlaubte Nebentätigkeiten gesperrt sind. Allerdings versperren die Tablets den Durchstieg, was für Fernfahrer hinderlich sein kann. Das System wird als einfach zu bedienen und zu verstehen eingeschätzt. Ein weiterer Mehrwert liegt aus Sicht der Stakeholder darin, dass der AAA der Monotonie des Fahreralltags entgegenwirkt und zur Entspannung beiträgt. Damit hilft der AAA bei der zunehmend schwerer werdenden Fahrergewinnung, weil er den Arbeitsplatz attraktiver macht. Als Anregungen für die Weiterarbeit wurden u.a. genannt, dass geprüft werden sollte, ob ein Drehdrückschalter, ergänzend zum bestehenden Touchscreen, die Bedienung während der Fahrt erleichtern kann. Zudem könnten Videos statt auf dem Tablet im Kombi-Instrument gezeigt werden, da so keine veränderte Sitzposition notwendig ist. Ferner sollte der AAA individuell und situativ anpassbar sein hinsichtlich Sprache und
Nebentätigkeiten und könnte ggfs. auch verschiedene Bedienmodalitäten ermöglichen, z.B. Spracheingabe. Bezüglich der Einweisung in das System werden Schulungen, z.B. mit Gamification-Elementen, vorgeschlagen.

Link zum Poster

TANGO System eingebaut im Versuchsträger
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